21.02.2018

„Warum kann man mit Kopftuch eigentlich keine Brötchen verkaufen?“

Stammtischparolen etwas entgegen halten

Nicht nur am Stammtisch begegnet man ihnen: abwertende Parolen gegenüber geflüchteten Menschen und gleichzeitig gegen alle, die diese unterstützen. Und so wundert es nicht, dass sich bei der Veranstaltung des Kolping-Bildungswerkes Diözesanverband Münster in der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenfanden: Ehrenamtlich Aktive aus Kolpingsfamilien und Flüchtlingsinitiativen, Mitarbeitende aus Kita und Schule sowie Menschen, die hauptberuflich mit dem Thema, beispielsweise mit geflüchteten Jugendlichen oder in „Kommunalen Integrationszentren“, zu tun haben.

Aber was entgegnet man nun Menschen, die mit plakativen Sprüchen Stimmung machen? Laura Konieczny, Journalistin mit Abschluss in Politik und Philosophie und Referentin des Kolping-Netzwerkes für Geflüchtete, ließ die Frauen und Männer in verschiedene Rollen mit ganz unterschiedlichen Lebens-Chancen schlüpfen. So ließen sich die Ursachen und Anliegen erspüren, die hinter abwertenden Äußerungen und Vorurteilen stehen können. Von da aus fiel es den Teilnehmenden gar nicht mehr schwer, aus ihrem vielfältigen Erfahrungsschatz heraus Interventionsmöglichkeiten zu finden: Mal hilft es schon, konkret nachzufragen: („Wo hast Du das erlebt?“), mal helfen eigene positive Beispiele. Der eine reagiert darauf, wenn seine eigentlichen Anliegen aufgegriffen werden („Frauen mit Kopftuch können doch emanzipierter leben, wenn sie einen Arbeitsplatz haben. Und warum kann man mit Kopftuch eigentlich keine Brötchen verkaufen?“).

Ohne Mut und Zivilcourage geht es nicht

Andere kommen ins Nachdenken, wenn sie sich in die Situation der Menschen auf der Flucht hineinversetzen sollen. Der Blick in globale Verstrickungen kann zeigen, dass die westliche Welt Fluchtbewegungen vielfach entscheidend mit verursacht hat. Und wer in die eigene Familiengeschichte zurückschaut, entdeckt dort häufig eigene Migrations- und Fluchterfahrungen. Vielfältiges Infomaterial und weiterführende Literatur kann hier die nötige Sicherheit geben. Die Möglichkeiten, das Gegenüber neu zum Nachdenken anzuregen, stoßen einzig da an ihre Grenzen, wo man auf rassistische Haltungen trifft. Dort macht die Vorstellung, es gäbe biologisch klar abgegrenzte Rassen, die wertvoller als andere Volksgruppen wären, eine Diskussion auf Augenhöhe oft unmöglich. Hier sei es auch legitim, das Gespräch abzubrechen, so Konieczny. Eines wurde jedoch deutlich: Es erfordert immer Mut und Zivilcourage, sich Vorurteilen entgegen zu stellen. Die Bereitschaft und das Vertrauen, dabei erfolgreich zu sein, waren bei den Anwesenden am Ende des Abends jedenfalls hoch.

Text: Carolin Olbrich
Fotos: Laura Konieczny

Aus den unterschiedlichsten Initiativen der Flüchtlingsarbeit kamen die Teilnehmenden zu einem informativen Abend zusammen.zoom
Aus den unterschiedlichsten Initiativen der Flüchtlingsarbeit kamen die Teilnehmenden zu einem informativen Abend zusammen.
Referentin Laura Konieczny
Referentin Laura Konieczny
Es gilt, gut informiert zu sein.
 
 

Anschrift

Kolpingwerk Diözesanverband Münster e.V.
Gerlever Weg 1
D-48653 Coesfeld

Kontakt

Telefon: 02541 / 803-01
Telefax: 02541 / 803-414
E-Mail: info@kolping-ms.de

Newsletteranmeldung

 
 
 
 
 

Unterstützen Sie uns.