12.03.2017

„Ein unermüdlicher Kämpfer“

Kolpingwerk Diözesanverband Münster verleiht Theodor-Kochmeyer-Plakette an Prälat Peter Kossen


Bistum Münster: Die höchste Ehrung, die das Kolpingwerk Diözesanverband (DV) Münster zu vergeben hat, wurde Prälat Peter Kossen am Samstag, 11. März 2017, mit Verleihung der „Theodor-Kochmeyer-Plakette“ zuteil. Mit dieser Auszeichnung ehrt das Kolpingwerk DV Münster Menschen, die sich in ihrem Wirken im Sinne Adolph Kolpings besonders im gesellschaftlichen, politischen oder kirchlichen Bereich einsetzen. Peter Kossen, ehemaliger Ständiger Vertreter des Bischöflichen Offizials im oldenburgischen Teil des Bistums Münster und seit Ende Januar Pfarrer in Lengerich, wird geehrt für sein bisher fünfjähriges „kompromissloses Engagement für ausländische Arbeitnehmer/-innen, die über ein Geflecht von Subunternehmen durch ungerechte Löhne ausgebeutet werden.“ Die Fleischindustrie habe es vorgemacht, „viele andere haben sich ein Beispiel genommen. Unternehmer-Verantwortung wird zugunsten von Profit eiskalt delegiert“, wird Peter Kossen später mit schockierenden Worten erläutern.

Der Festakt fand statt im Forum der Oberschule in Essen / Oldendurg im Beisein von Herrn Rat Bernd Winter (in Vertretung für Weihbischof Wilfried Theising), Generalvikar Theo Paul (Bistum Osnabrück), Dr. Thomas Ostendorf (Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster), Vizepräsident Eckhard Stein (Handwerkskammer Oldenburg) und Klaudia Rudersdorf (stellvertr. Kolping-Bundesvorsitzende). Das Präsidium des DV Münster und der Landesvorstand des Kolpingwerkes Land Oldenburg freuten sich über die große Beteiligung von geladenen Gästen aus dem gesamten Kolpingwerk.

Diözesanvorsitzender Harold Ries bezeichnete in seiner Begrüßung Prälat Peter Kossen ganz im Beispiel Adolph Kolpings als einen „unermüdlichen Kämpfer, der sich auch von verbalen und tatsächlichen Bedrohungen, ja gar mafia-ähnlichen Drohzeichen“ nie habe einschüchtern oder mundtot machen lassen“.

Diözesanpräses Franz Westerkamp und Diözesanseelsorgerin Ursula Hüllen gaben den vielen Festgästen eine kurze Vita über den Namensgeber dieser hohen Auszeichnung. „Theodor Kochmeyer, von 1894 bis 1922 Diözesanpräses der Gesellenvereine, dem späteren Kolpingwerk, war kein großer Theoretiker, sondern genau wie Prälat Kossen ein Mann der Praxis, mit scharfem Blick für die Lebenssituation der Menschen und der von sozialen Umbrüchen Betroffenen.“
Dank der klaren Anwaltschaft von Peter Kossen sei in der zurückliegenden Zeit viel in Bewegung gekommen, blickte Generalvikar Theo Paul in seiner Laudatio auch hoffnungsvoll in die Zukunft. „Geschäftsführer sehen ein, dass mit Lohndumping Probleme für den Verkauf und damit der Akzeptanz ihrer Produkte entstehen. Politiker sehen deutlich die Missachtung der sozialen Marktwirtschaft und Wettbewerbsverzerrungen.“ Peter Kossen habe „viel Zeit und Kraft eingesetzt, um auf die skandalösen Missstände aufmerksam zu machen.“ Dafür sei er den Schwierigkeiten nicht ausgewichen, habe Kritik aus unterschiedlichen Bereichen ertragen, sich als „Nestbeschmutzer“ beschimpfen lassen.

Mucksmäuschenstill, von betroffen, überrascht bis geschockt, wurde es im Saal bei den Dankworten von Prälat Kossen. „Es ist ganz erbärmlich und verwerflich, wehrlose Rumänen und Bulgaren auszubeuten und abzuzocken. Arbeitsmigranten hausen in Bruchbuden oder Slum-artigen Verhältnissen auf Campingplätzen. Ohne Sprachkenntnisse und finanzielle Reserven sind sie erpressbar.“ Hausärzte behandelten das Phänomen der „Totalerschöpfung“. Die Menschen würden gezwungen über Monate hinweg sieben Tage die Woche bis zu 15 Stunden täglich zu arbeiten. „Will die Politik das nicht sehen oder ist sie machtlos?“, appellierte Peter Kossen. Arbeitsstrich und Straßenstrich sind menschenverachtende Wirklichkeit. „Fleisch ist Fleisch‘, das eine wird so verächtlich be- und gehandelt wie das andere. Nur mit dem Unterschied, dass Tierhandel und –haltung stärker reguliert sind.“ Rechtsfreie Räume seien entstanden, Parallelwelten, Subkulturen “mitten unter uns!“ Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts, so Kossen, aber „in diesem Dienst macht man sich die Hände schmutzig, zwangsläufig“. Um es mit Papst Franziskus zu sagen: „Der Hirt muss nach den Schafen riechen!“

Aber es könne auch anders gehen, sieht Prälat Kossen positive Ausnahmen und nennt Firmennamen aus der Fleischindustrie. „Sie kommen immer schon oder in naher Zukunft ohne Werkvertrags- und Leiharbeiter aus.“ Peter Kossen dankte dem Kolpingwerk für die Ehrung, möchte diese Anerkennung aber teilen mit der Caritas Migrationsberatung, dem Netzwerk „Menschenwürde in der Arbeitswelt“ und den vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitstreitern.

„Schatten in unserer heilen Welt wurden uns heute vielfach in ihrer ganzen Härte vor Augen geführt.“ Uwe Slüter, Geschäftsführer des Kolpingwerkes DV Münster, dankte Peter Kossens für seine ungeschminkten Ausführungen. Dabei hätte man doch gerne meinen wollen: „Im Bistum ist die Welt noch in Ordnung!“ Prälat Kossen sei ein Mensch, der nicht wegsieht, sondern auf Grundlage seiner christlichen Wertvorstellungen aktiv geworden sei und hoffentlich nun auch in Lengerich aktiv bleibe. „Bei Ihrer Verabschiedung im Oldenburger Land wurden Sie mit besonderen Worten geehrt: ‚Sie haben uns gezeigt, wie Kirche gehen kann‘.“

Der Landesvorstand des Kolpingwerkes Land Oldenburg sei zunächst geschockt und traurig gewesen, weil Prälat Kossen das Offizialat verlassen würde, berichtet Landesvorsitzende Gaby Kuipers. „Wussten wir doch, mit ihm im Boot sind wir bei unserem Einsatz gegen Lohndumping und für gerechte Arbeitslöhne auf dem richtigen Weg.“
Mit dem Antrag auf Verleihung der höchsten Auszeichnung im Diözesanverband wollte der Landesverband Peter Kossen für seinen Einsatz im Offizialat für gerechte Bedingungen in der Arbeitswelt würdigen. Nicht nur bei Kolping sondern in allen katholischen Sozialverbänden im Netzwerk ‚Menschenwürde‘. „Wir freuen uns sehr, dass das Präsidium des Diözesanverbandes mit einem einstimmigen Votum zugestimmt hat“, so Gaby Kuipers.

Text und Fotos: Rita Kleinschneider

Ein Verfechter für Menschenrechte: Prälat Peter Kossen zoom
Ein Verfechter für Menschenrechte: Prälat Peter Kossen
Vertreter des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster, des Kolping Landesverbandes Oldenburg, aus dem Kolping Bundesverband, von der Handwerkskammer Münster und Oldenburg sowie Ehrenamtliche des Netzwerkes „Menschenwürde in der Arbeitswelt“ gratulierten Prälat Peter Kossen (vorn mit Plakette) zur höchsten Ehrung im Kolpingwerk Diözesanverband Münster. Generalvikar Theo Paul (li. neben ihm) hielt die Laudatio.zoom
Vertreter des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster, des Kolping Landesverbandes Oldenburg, aus dem Kolping Bundesverband, von der Handwerkskammer Münster und Oldenburg sowie Ehrenamtliche des Netzwerkes „Menschenwürde in der Arbeitswelt“ gratulierten Prälat Peter Kossen (vorn mit Plakette) zur höchsten Ehrung im Kolpingwerk Diözesanverband Münster. Generalvikar Theo Paul (li. neben ihm) hielt die Laudatio.
Viel geistliche Prominenz war zu Gast bei der Verleihung der Theodor-Kochmeyer-Plakette des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster. (vordere Reihe v. li.) Generalvikar Theo Paul, Prälat Peter Kossen, Stefan Jasper-Bruns (Landespräses Kolping Land Oldenburg). Hintere Reihe v. li: Rat Bernd Winter (in Vertretung für Weihbischof Wilfried Theising), und vom Kolpingwerk Diözesanverband Münster Diözesanseelsorgerin Ursula Hüllen, Diözesanvorsitzender Harold Ries, Diözesanpräses Franz Westerkamp. zoom
Viel geistliche Prominenz war zu Gast bei der Verleihung der Theodor-Kochmeyer-Plakette des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster. (vordere Reihe v. li.) Generalvikar Theo Paul, Prälat Peter Kossen, Stefan Jasper-Bruns (Landespräses Kolping Land Oldenburg). Hintere Reihe v. li: Rat Bernd Winter (in Vertretung für Weihbischof Wilfried Theising), und vom Kolpingwerk Diözesanverband Münster Diözesanseelsorgerin Ursula Hüllen, Diözesanvorsitzender Harold Ries, Diözesanpräses Franz Westerkamp.

Gut zu wissen

Zum Thema:
Theodor Kochmeyer war von 1894 bis 1922 Diözesanpräses der Katholischen Gesellenvereine in Münster und mit etwas mehr als 28 Jahren der am längsten amtierende Diözesanpräses der katholischen Gesellenvereine und damit des Kolpingwerkes. Nach ihm ist die höchste Auszeichnung benannt, die das Kolpingwerk Diözesanverband Münster zu vergeben hat. In der Ehrenordnung des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster heißt es: „Diese Ehrung wird verliehen für besondere Verdienste, die überregionale Bedeutung haben. Solche Verdienste können sein: hervorragende Mitarbeit in kirchlichen Gremien auf Bistumsebene, in der Politik sowie in Organen und Einrichtungen der kommunalen, sozialen und wirtschaftlichen Selbstverwaltung mit Ausstrahlung in den Diözesanverband.“
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Das KOLPINGWERK DIÖZESANVERBAND MÜNSTER erstreckt sich vom Oldenburger Land über Westfalen bis zum Niederrhein und hat etwa 40.000 Mitglieder in 258 Kolpingsfamilien.

 
 

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Kolpingwerk Diözesanverband Münster e.V.
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